Auf Distanz 0029: Kurzmeldungen 02-2018

In dieser Kurzmeldungen-Episode werden neue Systeme zur Suche und Analyse von Exoplaneten vorgestellt, ein beeindruckender Blick auf einen Roten Riesen geworfen und die Umgebung Schwarzer Löcher untersucht. Es folgen Neuigkeiten vom ExoMars-Orbiter TGO und von verschiedenen Satelliten. Zum Schluss gibt es astronomische Ereignisse und ein Veranstaltungstipp.

Erschienen: 07.02.2018, Dauer: 0:25:35

Kurzmeldungen

Suche nach Leben auf Exoplaneten vielleicht schwieriger als gedacht

Die Suche nach Leben auf Exoplaneten ist knifflig. Die Objekte sind weit weg und Details von der Oberfläche können wir bislang nicht erkennen. Die Suche läuft also indirekt, indem man die Atmosphäre des Exoplaneten untersucht. In der Atmosphäre gibt es vielleicht Verbindungen, die dann als Anzeichen dienen könnten: Ja, hier könnte es Leben geben. Ein bekanntes Beispiel ist Sauerstoff. Auch Ozon, eine molekulare Variante des Sauerstoffs, könnte wichtig sein.

Das Fehlen von Ozon könnte man als Indiz deuten, dass es auf einem Planeten vielleicht kein Leben gibt. Das klingt angenehm einfach, aber aktuelle Forschungen zeigen: So einfach ist es leider nicht.

Forscher unter der Leitung von Ludmila Carone vom Max-Planck-Institut für Astronomie haben einen Mechanismus entdeckt, der das Ozon verbergen könnte, so dass wir es vielleicht schlechter entdecken können.

Planeten können ihren Stern in so geringer Entfernung umkreisen, dass eine gebundene Rotation vorliegt. Dann dreht sich der Planet so, dass er seinem Stern die ganze Zeit die gleiche Seite zuwendet. Auch wir auf der Erde kennen das Phänomen. Unser Erdmond hat eine gebundene Rotation. Von der Erde aus sehen wir immer die gleiche Seite.

Bei Exoplaneten kann das für die Forschung direkte Auswirkungen haben. So nimmt man an, dass die Exoplaneten Trappist-1b und Proxima b erdähnlich sein könnten. Beide sind ihren Sternen aber so nahe, dass sie gebundene Rotationen haben könnten.

Die Forscher haben nun die Strömungen in den Atmosphären von Planeten mit gebundener Rotation simuliert. Dabei stellten sie fest, dass Gase wie Ozon vielleicht nicht gleichmäßig in der Atmosphäre verteilt sind wie auf der Erde, sondern sich vielleicht in der Äquatorregion sammeln.

Wenn man also nach Leben auf Exoplaneten sucht, wird das vielleicht komplizierter als bislang gedacht. Die Ergebnisse sollen in zukünftige Strategien mit einfließen.

Die Äquator-Falle: Warum die Suche nach Leben auf anderen Planeten schwieriger sein dürfte als gedacht

Wikipedia: Gebundene Rotation

Erstes Licht für ESPRESSO — den Planetenjäger der nächsten Generation

Für die Suche nach Exoplaneten kann man verschiedene Verfahren einsetzen. Eine der bekanntesten Methoden ist die Transitmethode. Dabei untersucht man das Licht eines Sterns. Wird das Licht regelmäßig dunkler und wieder heller, zieht vielleicht ein Planet zwischen uns und dem Stern hindurch. Das ist ein Transit.

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten. Bei einer davon schaut man sich das Licht des Sterns an. Wenn sich ein Stern auf uns zu oder von uns weg bewegt, können wir Geschwindigkeitsänderungen im Licht des Sterns erkennen. Man muss nur genau genug schauen können.

So genau schauen soll der „Echelle SPectrograph for Rocky Exoplanet and Stable Spectroscopic Observations“, kurz ESPRESSO. ESPRESSO ist am Very Large Telescope VLT der europäischen Südsternwarte ESO installiert und hat nun im Paranal-Observatorium sein erstes Licht gesehen.

Dieser Spektrograf ist der Nachfolger des HARPS-Instrument am La Silla-Observatorium der ESO in Chile. HARPS kann Geschwindigkeitsänderungen von einem Meter pro Sekunde erkennen, ESPRESSO soll deutlich genauer sein und Änderungen von wenigen Zentimetern pro Sekunde erkennen können.

Möglich wird das durch technische Fortschritte und den Einsatz an einem deutlich größeren Teleskop. Auch kann man ESPRESSO an allen vier großen Teleskopen des VLT gleichzeitig betreiben. So kann dann ein 16-Meter-Teleskop simuliert werden.

Um über Geschwindigkeitsänderungen Exoplaneten zu finden, macht man sehr genaue Messungen. Ein Stern zieht nicht nur seine Planeten an, sondern die Planeten auch den Stern. Er wackelt also etwas. Durch die großen Unterschiede zwischen den Massen von Planeten und Stern ist die Wackelbewegung beim Stern natürlich ziemlich klein. Trotzdem können sich diese Wackelbewegungen des Sterns für uns als Geschwindigkeitsänderungen zeigen und wir haben ein Indiz für einen oder mehrere Exoplaneten.

Diese Messung ist die Radialgeschwindigkeitsmethode. Mit ESPRESSO möchte man die leichtesten Exoplaneten entdecken, die je entdeckt wurden. Bei Testbeobachtungen zeigte sich, dass man die Genauigkeit von HARPS mit deutlich geringerer Belichtungszeit erreichte.

Erstes Licht für ESPRESSO — den Planetenjäger der nächsten Generation

Erstes Licht für Planetenjäger ExTrA auf La Silla

Am La Silla-Observatorium der ESO in Chile wurden drei neue Teleskope in Betrieb genommen. Diese Teleskope gehören zum ExTrA-System. „ExTrA“ steht dabei kurz für „Exoplanets in Transits and their Atmospheres“. Es handelt sich also um eine Anlage zur Untersuchung von Exoplaneten und ihrer Atmosphären.

Bei ExTrA wird die Transitmethode eingesetzt, man untersucht also das Licht von Sternen, während Planeten zwischen Teleskop und Stern hindurchziehen. ExTrA untersucht dabei Licht im Nahinfrarot-Bereich. Das wird eigentlich von unser Erdatmosphäre absorbiert, aber das La Silla-Observatorium ist mit 2400 Metern so hoch gelegen, dass die Messungen trotzdem möglich sind.

Das gesammelte Licht des Sterns wird mit dem Licht von vier Vergleichssternen spektrografisch untersucht. So kann man störende Einflüsse der Erdatmosphäre und Schwächen der Instrumente zum Teil herausrechnen.

ExTrA soll sich auf bestimmte Sterne der M-Klasse konzentrieren. Hier vermutet man viele Planeten in Erdgröße. Hat man einen solchen Planeten gefunden, soll ExTrA die Zusammensetzung der Atmosphäre bestimmen. Man möchten Gemeinsamkeiten zwischen Planeten, das Verhalten von Mehrfachplanetensystemen und ihre Entstehung untersuchen.

Erstes Licht für Planetenjäger ExTrA auf La Silla

Wikipedia: La-Silla-Observatorium

Riesige Blasen auf der Oberfläche eines Roten Riesen

Erstmals wurden Granulationsstrukturen auf einem anderen Stern als unserer Sonne beobachtet. Damit das möglich war, mussten mehrere Dinge zusammen kommen: Der beobachtete Stern ist ein Roter Riese und die Granulationsstrukturen haben enorme Ausmaße.

Beobachtet wurde der Stern „π1 Gruis“ im Sternbild Kranich am Südhimmel. Er ist etwa 530 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er besitzt ungefähr die 1,5 Mal die Masse unserer Sonne, ist aber 350 Mal größer und mehrere tausendmal so hell. „π1 Gruis“ ist älter als unsere Sonne. Die wird in etwa fünf Milliarden Jahren eine ähnliche Entwicklung machen und ebenfalls zu einem Roten Riesen werden.

Ein Roter Riese entsteht, wenn die Fusion von Wasserstoff zu Helium nicht mehr stattfinden kann, weil der Wasserstoff verbraucht ist. Der Druck von innen, der den Stern aufbläht, fällt weg und der Stern fällt in sich zusammen. Dabei steigen Druck und Hitze wieder an und eine neue Fusion beginnt: Helium wird zu Kohlenstoff und Sauerstoff fusioniert. Der Stern bläht sich wieder auf, im Falle von π1 Gruis auf das Hundertfache seiner vorherigen Größe.

Damit bietet dieser riesige Stern die Möglichkeit, seine Granulation zu beobachten. Die Granulation ist eine körnig wirkende Struktur, die wir auch auf unserer Sonne beobachten können. Diese Struktur besteht aus so genannten Granulen. Heißes Material steigt aus der Tiefe des Sterns auf, wird an der Oberfläche kühler und sinkt am Rand der Granulen wieder ab.

Unsere Sonne hat mehrere Millionen dieser Granulen, sie haben ungefähr 1500 Kilometer Durchmesser. Bei π1 Gruis haben die Zellen einen Durchmesser von 120 Millionen Kilometer. Das ist mehr als der Abstand des Planeten Venus zu unserer Sonne.

Die großen Granulen können entstehen, weil π1 Gruis ungefähr die eineinhalbfache Masse unserer Sonne hat, aber weit aufgebläht ist. An der Oberfläche wirkt deswegen eine deutlich geringere Gravitation.

Riesige Blasen auf der Oberfläche eines Roten Riesen

Wikipedia: Granulation (Astronomie)

Sternbewegungen liefern Bibliothek von Galaxien-Geschichtsbüchern

Anhand von Sternbewegungen kann man Rückschlüsse auf die Geschichte von Galaxien bekommen, auch auf ihre Entstehung. Mit Daten der CALIFA-Durchmusterung haben Astronomen nun eine Art Geschichtsbuch für 300 Galaxien zusammen gestellt.

In diesem Geschichtsbuch sind Sternbewegungen dokumentiert. In einigen Galaxien bewegen sich die Sterne in geordneter Weise um das Zentrum, in anderen Galaxien haben die Sterne eher zufällige, lang gestreckte Bahnen.

Die Daten zeigen, dass es bei Galaxien mit bis zu 10 Milliarden Sonnenmassen eher kreisrunde Bahnen gibt und bei größeren Galaxien die Sternbewegung eher ungeordnet ist.

Diese Bewgungen verraten Details über die Geschichte von Galaxien. Galaxien wachsen, indem sie mit anderen Galaxien verschmelzen. Nimmt eine große Galaxie eine kleinere in sich auf, hat das Ergebnis meist eine flache Form und rotiert. Unsere eigene Galaxie, die Milchstraße, ist ein Beispiel dafür.

Verschmelzen aber zwei ähnlich große Galaxien miteinander, entsteht eine elliptische Galaxie. Die Sterne darin bewegen sich auf ungeordneten Bahnen.

Mit der CALIFA-Untersuchung hat man über 600 Galaxien untersucht, die Daten von 300 Galaxien hat man nun zur Dokumentation der Sternbahnen zusammengefasst.

Durch die Dokumentation dieser Bahnen stehen nun systematische Beobachtungen zur Verfügung, mit denen man Simulationen vergleichen kann.

Sternbewegungen liefern Bibliothek von Galaxien-Geschichtsbüchern

Sternbewegungen verraten Schwarzes Loch

Erstmals wurde ein Schwarzes Loch direkt über seine Anziehungskraft nachgewiesen. Dieses gelang bei der Beobachtung des Kugelsternhaufens NGC 3201 im Sternbild Vela. Diesen Kugelsternhaufen beobachtete man mit dem MUSE-Instrument des Very Large Telescope der ESO in Chile und bemerkte darin eigenartige Bewegungen eines Sterns. Dieser Stern bewegt sich in einem regelmäßigen Muster mit großer Geschwindigkeit hin und her.

Ursache für diese Bewegung ist ein Schwarzes Loch mit etwa der vierfachen Masse unserer Sonne. Das Schwarze Loch ist inaktiv, das heißt, es nimmt keine Materie auf und ist auch nicht von einer leuchtenden Gasscheibe umgeben. Es wurde also rein über die Anziehungskraft auf den anderen Stern nachgewiesen. Aber nicht nur das ist etwas Besonderes, sondern auch die Entdeckung in einem Kugelsternhaufen.

Kugelsternhaufen sind sehr alte Objekte, die in der Umgebung der meisten Galaxien gefunden werden können. Kugelsternhaufen bestehen aus mehreren zehntausend Sternen. Bei dem großen Alter und der Menge an Sternen ist es nicht überraschend, dass sie im Laufe der Zeit auch Schwarze Löcher hervorgebracht haben. Man ging aber davon aus, dass Schwarze Löcher diese Systeme verlassen würden.

Zusammen mit kürzlichen Messungen von Radio- und Röntgenquellen und dem Nachweis von Gravitationswellen scheint es solche inaktiven Schwarzen Löcher in Kugelsternhaufen häufiger zu geben als bislang vermutet.

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

Wie schwarze Löcher den Kosmos formen

Dass in Galaxien supermassereiche Schwarze Löcher enthalten sind, wurde in den Kurzmeldungen dieses Podcasts immer wieder erwähnt. Nun haben Wissenschaftler mit Hilfe einer großen Simulation den Einfluss Schwarzer Löcher auf die Verteilung der Dunklen Materie, die Produktion und Verbreitung schwerer Elemente im Kosmos und den Ursprung der Magnetfelder berechnet.

Das klingt nach einem großen Unterfangen und das war es auch. Die Simulation lief auf der “Hazel-Hen”-Maschine am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart, dem schnellsten deutschen Großrechner. Eine der beiden großen Berechnungen beschäftigte 24000 Prozessoren über zwei Monate lang. In der Zeit simulierte man die Entstehung von Millionen von Galaxien in einer ausgewählten Region des Universums. Diese simulierte Region hatte eine Kantenlänge von knapp einer Milliarde Lichtjahren.

Herausgekommen sind über 500 Terabyte an Daten, die man noch jahrelang auswerten wird. Einige Ergebnisse liegen aber schon vor. So ergab die Simulation ein kosmisches Netz an Gas und Materie mit Galaxien an den Kreuzungspunkten. Diese Galaxien passen in Gestalt und Größe sehr gut zu echten Galaxien. Genau so ist es mit der Verteilung der Galaxien. Die passt sehr gut zu echten Beobachtungsdaten, auch aus neuen Durchmusterungen.

Der Einfluss der supermassereichen Schwarzen Löcher auf die großen Strukturen im Universum lassen sich in der Simulation auch gut nachvollziehen. So können die Schwarzen Löcher in elliptischen Galaxien durch beschleunigte Materie die Sternentstehung ausschalten und Strukturen beeinflussen, die milliardenfach größer sind als das Schwarze Loch selber.

Wie schwarze Löcher den Kosmos formen

Wikipedia: Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart

Erste ELT-Hauptspiegelsegmente erfolgreich gegossen

Das „Extremely Large Telescope“ – kurz ELT – der europäischen Südsternwarte ESO wird ein richtig großer Brocken. Das Teleskop soll 2024 in Betrieb gehen und wird dann das größte Teleskop der Erde sein. Der Hauptspiegel wird 39 Meter Durchmesser haben.

Einen so großen Spiegel fertigt man nicht am Stück, sondern setzt ihn aus kleineren Teilen zusammen. Für das ELT werden es 798 sechseckigen Segmente sein, jedes wird einen Durchmesser von 1,4 Metern haben. Die Segmente werden etwa 5 Zentimeter dick.

Bei der Firma Schott in Mainz wurden die ersten Segmente gegossen. Diese ersten Segmente sind besonders wichtig, weil man an ihnen den Fertigungsprozess überprüft. So kann man für die weitere Herstellung noch Optimierungsmöglichkeiten finden.

Insgesamt werden über 900 Spiegelelemente gegossen: 798 für den Hauptspiegel, 133 als Ersatz. Ist ein Element gegossen, lässt man es langsam abkühlen. Schließlich schleift man es in die richtige Form und poliert die Oberfläche auf eine Genauigkeit von 15 Nanometern. Diese Schritte übernimmt die französische Firma Safran Reosc.

Erste ELT-Hauptspiegelsegmente erfolgreich gegossen

Webseite der Schott AG zum ELT

Erste Zündung für Europas stärkstes Raketentriebwerk Vulcain 2.1

Im Jahr 2020 soll die neue Ariane 6-Rakete ihren Betrieb aufnehmen. Für diese neue Rakete wird auch ein neues Triebwerk entwickelt, es trägt die Bezeichnung “Vulcain 2.1”. Es ist das stärkste bislang in Europa entwickelte Raketentriebwerk.

Am 22. Januar 2018 wurde erstmals eines dieser Triebwerke getestet. Der Test auf dem Prüfstand P 5 in Lampoldshausen dauerte 11 Minuten. Die erste Testkampagne soll insgesamt 12 Versuche umfassen.

Vulcain 2.1 erreicht eine Schubkraft von 130 Tonnen. Bestückt mit diesem Triebwerk, Feststoffboostern und einem Vinci-Triebwerk soll die Ariane 6-Rakete je nach Konfiguration bis zu 11 Tonnen Nutzlast ins All befördern. Dabei sollen die Kosten im Vergleich zur Ariane 5-Rakete halbiert werden. Und schon diese Rakete hat eine erfolgreiche Geschichte. Das darin verbaute Triebwerk Vulcain 2 hat bislang 70 erfolgreiche Starts in Folge geschafft.

Bis das neue Triebwerk richtig fertig ist, werden noch einige Tests folgen. Neben dem Betrieb im normalen Bereich wird man auch ungewöhnliche Bedingungen überprüfen: höhere Temperaturen, höhere und niedrigere Brennkammerdrücke und verschiedene Treibstoffmischungsverhältnisse. Auf diese Weise möchte man die Grenzen des neuen Triebwerks kennen lernen.

Zum Abschluss der Versuche wird man dann das Triebwerk in der Konfiguration testen, die schließlich auch in der Rakete zum Einsatz kommen wird.

Erste Zündung für Europas stärkstes Raketentriebwerk Vulcain 2.1

Wikipedia: Ariane 6

Wikipedia: Ariane 5

Wikipedia: Vulcain (Raketentriebwerk)

ExoMars: Trace Gas Orbiter vor dem Ziel

Der Trace Gas Orbiter TGO der ExoMars-Mission nähert sich seinem Zielorbit immer mehr. Im März 2017 hatte man mit der Abbremsung in der Atmosphäre des Mars begonnen. Ein Umlauf dauerte damals 24 Stunden. Seitdem hat man den TGO immer weiter abgebremst, so dass im Moment ein Umlauf nur noch zwei Stunden dauert.

Im Sommer 2017 machte man eine Pause und hob den Orbit in Marsnähe auf 200 Kilometer an. Grund war die Konjunktion mit der Sonne: Von der Erde aus gesehen standen der Mars und der TGO hinter der Sonne. Das sorgte für schlechte Funkverbindungen.

Bei der Atmosphärenbremsung muss aber ständig der Zustand kontrolliert werden, darum wurde sie während der Konjunktion komplett pausiert. Im August 2017 nahm man die Bremsungen aber wieder auf. Vorher erhielt der Orbiter noch ein umfangreiches Software-Update.

Nun, etwa ein halbes Jahr später, ist der Zielorbit fast erreicht. Mitte März soll die Atmosphärenbremsung beendet werden, mit den Triebwerken soll sich der Orbiter dann in einen nahezu kreisförmigen Orbit in etwa 400 Kilometern Höhe begeben. Damit kann dann die eigentliche Mission beginnen: Der Trace Gas Orbiter soll als Funkstation dienen und wissenschaftliche Messungen vornehmen.

ESA Rocket Science Blog: Aerobraking down, down (englisch)

ESA Rocket Science Blog: Aerobraking: Back to the future (englisch)

Auf Distanz 0016: “ExoMars 2016 erreicht den Mars”

Auf Distanz 0006: “Start der ExoMars-Mission”

Erste Ergebnisse des MICROSCOPE-Satelliten bestätigen Einsteins Theorie mit bisher unerreichter Genauigkeit

Im Dezember 2017 wurden erste Ergebnisse der MICROSCOPE-Mission bekannt. Bei dieser Mission möchte man mit einem Satelliten das Äquivalenzprinzip überprüfen.

Das Äquivalenzprinzip besagt, dass alle Objekte in einem Gravitationsfeld, das heißt innerhalb der Anziehungskraft zum Beispiel der Erde, gleich schnell fallen. Voraussetzung ist allerdings, dass Störfaktoren wie der Luftwiderstand ausgeschaltet sind.

Die ersten Ergebnisse des Satelliten MICROSCOPE bestätigen das Äquivalenzprinzip in bislang nicht erreichter Präzision, die Ergebnisse sind um den Faktor 10 genauer.

MICROSCOPE wurde am 25. April 2016 gestartet, seit Dezember 2016 laufen die wissenschaftlichen Messungen. 1900 Umläufe um die Erde wurden für die Untersuchungen des Äquivalenzprinzips erfasst, das entspricht 85 Millionen Kilometern im freien Fall. Bislang wurden von den erfassten Daten etwa 10 Prozent ausgewertet, damit erreichte man eine Genauigkeit bis zur 14. Nachkommastelle. Weitere Auswertungen sollen die Genauigkeit noch weiter verbessern.

Erste Ergebnisse des MICROSCOPE-Satelliten bestätigen Einsteins Theorie mit bisher unerreichter Genauigkeit

Auf Distanz 0010: „Der Satellit MICROSCOPE“

Wikipedia: Äquivalenzprinzip (Physik)

Zusätzliche Berichte zu diesem Thema bei Extras@Auf Distanz

S-NET: Neues Netzwerk aus Nanosatelliten

Am 1. Februar wurden vier Forschungssatelliten ins All geschossen und in einen Orbit mit rund 580 Kilometer Höhe gebracht. Dort wurde alle 10 Sekunden ein Satellit ausgesetzt.

Die vier Satelliten gehören zum Forschungsprojekt “S-NET” der TU Berlin, die Mission wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert.

Die Forschungssatelliten von S-NET sind so genannte Nano-Satelliten. Sie sind würfelförmig, haben eine Kantenlänge von 24 Zentimetern und wiegen jeweils acht Kilogramm. Einen eigenen Antrieb haben sie nicht. Die Satelliten sollen nun ein Jahr im Weltall Daten sammeln.

Mit den Satelliten möchte man das Verhalten eines Kommunikationsnetzes im Weltraum testen. Wichtig sind solche Erkenntnisse zum Beispiel für den Aufbau eines Satellitennetzes zur Internetversorgung.

Auch könnten Ausfälle einzelner Satelliten besser kompensiert werden und gemessene Daten schneller zur Verfügung stehen. Ein Satellitennetz könnte vorliegende Daten an einen Satelliten senden, der als nächstes eine Bodenstation überfliegt. So muss nicht auf den Überflug eines ganz bestimmten Satelliten gewartet werden. Die eingesparte Zeit kann für die Vorhersage von Naturkatastrophen und in Notfällen wichtig sein.

Zur Kommunikation nutzen die S-NET-Satelliten eine neu entwickelte Funktechnik, genannt S-LINK. Genutzt werden Frequenzen im S-Band bei etwa 3 GHz. Ziel der Technik ist eine möglichst große Datenrate bei möglichst kleinem Energieverbrauch. Die S-NET-Satelliten senden etwa 6000 Kilobits pro Minute bei Entfernungen bis 400 Kilometer.

S-NET: Neues Netzwerk aus Nanosatelliten

Jungfernflug der Rakete „Falcon Heavy“

Mit großer Spannung wurde der Jungfernflug der Falcon Heavy-Rakete von SpaceX erwartet, schließlich wurde er für den 6. Februar 2018 angesetzt. Der Start musste wegen zu starker Winde noch ein bisschen verschoben werden, aber um 21:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit war es soweit: Liftoff für die Falcon Heavy.

Und der Start sah sehr gut aus. Neben der ersten Stufe sind zwei Booster angebracht, diese drei Elemente basieren auf der „Falcon 9“-Rakete. Die beiden Booster wurden abgetrennt und synchron in Cape Canaveral gelandet, die erste Stufe sollte auf einem Dronenschiff landen, das Signal brach aber ab.

In den letzten Bildern vom Dronenschiff schien keine Raketenstufe zu sehen zu sein. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme gibt es Medienberichte, dass die Stufe nicht genügend Treibstoff hatte, um ausreichend abzubremsen. Die Stufe sei dann mit einer Geschwindigkeit von 300 Meilen pro Stunde ein Stück neben dem Dronenschiff auf dem Wasser aufgeschlagen. Je nach Bericht ist von etwa 30 bis 100 Metern die Rede.

Der Start war ein Demonstrationsflug und beförderte keine Nutzlast eines Kunden ins All. Stattdessen entschied SpaceX, marketingwirksam ein Auto ins All zu schicken. Es ist ein Roadster, an Steuer scheint entspannt ein Astronaut zu sitzen, man nennt ihn „Starman“.

Nach dem Start wurde eine Liveübertragung gestartet, bei der man Starman im Orbit um die Erde beobachten konnte. Einige Stunden später erfolgte dann die dritte Zündung der zweiten Stufe, um eine eigene Umlaufbahn um die Sonne zu erreichen. Nach aktuellen Angaben von SpaceX soll dieser Orbit bis hinaus zum Asteroidengürtel reichen.

Astronomische Ereignisse

Diese habe ich mit Erlaubnis von Heiko Ulbricht verwendet.
Nachgelesen werden können sie auf der Homepage der Zeitschrift Sternzeit.

Veranstaltungen

18. ATH – Astronomie Treff Hückelhoven

Datum, Uhrzeit: 17.02.2018, 10 bis 16 Uhr
Ort: Hückelhoven, Aula des Gymnasiums Hückelhoven

Messe mit neuen und gebrauchten astronomischen Geräten und Zubehör mit Rahmenprogramm

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Copyright-Hinweise

Titelbild der Episode

Oben links:
© ESO / Emmanuela Rimbaud

Oben rechts:
© ESO

Unten links:
© ESA / NASA

Unten rechts:
© ESA